Schnee der Marke Obereggen

 

Zwischen 1.550 und 2.500 Metern gelegen bietet das Skigebiet Obereggen bereits beste Voraussetzungen für unschlagbare Schneeverhältnisse. Doch aufs Zufallsprinzip verlässt sich in einem der schönsten Skigebiete Südtirols keiner: Modernste Beschneiungsanlagen garantieren die gesamte Saison über Top-Schneeverhältnisse. Ein technischer Blick hinter die Kulissen.

Wenn es um die Erzeugung von Kompaktschnee geht, ist die Natur das beste Vorbild. Chemisch betrachtet besteht maschinell erzeugter Schnee nämlich aus denselben Komponenten wie Naturschnee, also aus Wasser (H2O) in gefrorenem Zustand. Beimengungen oder Hilfsmittel wie Kühlsysteme mit Ammoniak beziehungsweise anderen Kühlmitteln finden in Obereggen bei der Erzeugung von Kompaktschnee keine Anwendung. Das Geheimnis liegt vielmehr im richtigen Verhältnis von Wassermenge, Wassertemperatur zur Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Was aber sind die Voraussetzungen? In der Natur sammelt sich in den Wolken kondensiertes Wasser um kleinste Staubkörnchen. Bei Temperaturen von –30 bis –50 Grad entstehen dabei kleine Eiskristalle, die sich bei ihrem mehrminütigen Flug zur Erde in Schneekristalle und bei mehrfacher Verkettung in Schneeflocken verwandeln. Kompaktschnee hingegen weist keine typischen Schneekristalle auf, dafür einen viel niedrigeren Luftanteil, und ähnelt in seiner Struktur eher körnigem Altschnee, daher der Name Kompaktschnee: Seiner Dichte von 360-450 kg/m3 steht jene von 30-100 kg/m3 bei Naturschnee gegenüber.

Bei der Herstellung von Kompaktschnee sind Minusgrade von Nöten, um Eiskerne bilden zu können. Dabei wird Wasser in eigens konstruierten Düsen, so genannten Nukleatoren, mit Druckluft vermischt, welche dann bei Austritt aus der Schneekanone blitzartig expandieren. Diese Expansion bewirkt eine Abkühlung bei der mikroskopisch kleine Eiskristalle, so genannte Keimkristalle, entstehen. Damit diese Keimkristalle nach ihrem Austritt “wachsen” können, sorgt ein Ventilator für eine verlängerte Flugzeit und zusätzlich zerstäubtes Wasser für ein Anfrieren und somit Vergrößern der Kristalle.

Schnee der Marke Obereggen

Damit die Wassertröpfchen an den Keimkristallen anfrieren können, wird der physikalische Prozess der Wasserverdunstung genutzt, der bei jeder Außentemperatur, also auch unter dem Gefrierpunkt, stattfindet. Verdunstet Wasser, so geht es vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über. Dazu ist Energie nötig. Da keine zusätzliche Wärme zugeführt wird, muss die erforderliche Verdunstungsenergie aus dem Wärmevorrat dem sie umgebenden Luft- Wassergemisch genommen werden. Dies bewirkt, dass das nicht verdunstete Wasser abkühlt und nunmehr die geeignete Temperatur hat, um an den Eiskristallen anfrieren zu können. Das Wissen um die äußeren Bedingungen und deren geschickte Nutzung trägt also wesentlich zum Erfolg der Schneeproduktion bei.

Ebenso sinnvoll ist eine kompakte und somit schützende Schneedecke für die Grasnarbe: Beschneite Geländekuppen werden wesentlich besser vor Skikanten und Pistengeräten geschützt als dies bei einer dünnen natürlichen Schneedecke der Fall ist. Der „Kanalisierungseffekt“ auf der Piste führt zudem dazu, dass die Neigung seitlich der Skipiste zu fahren abnimmt und somit der Jungwald keinen Schaden erleidet. Mehr Schnee bedeutet zudem mehr Feuchtigkeit in tieferen Erdschichten, weswegen die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass die Bauern von Obereggen den landwirtschaftlichen Ertrag auf den für den Wintersport genutzten Flächen steigern konnten.

In Obereggen wurden 1982 die ersten Schneeerzeuger gekauft, heute sind bereits 125 Schneekanonen im Ski Center Latemar im Einsatz. Damit können 97% der Pistenfläche beschneit werden. Ein Leitungssystem von 36,8 km Länge, das von 1.550 bis 2.200 Metern reicht und aus Wasserreserven von 90.000 m3 gespeist wird, perfektioniert das System - damit sich die Wintersportler in Obereggen tagtäglich über griffige Pisten und eine dicke Schneedecke freuen können.

Obereggen hat die besten Skipisten

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